
(inoffizieller Bericht „10 Jahre Bovelzumft Jubi-Fahrt“, Klaus Werner Schwietkowski, IMA Bovelzumft)
Freitag, 27.09.2024 – Tag der Ankunft
Nach der langen, kräfteraubenden Reise quer durch Reiche, Grafschaften und unbekannten Herzogtümern, lag sie endlich vor mir: Die Burg Warberg. Ich wischte mir, mit dem Ende meiner Qualitätsgewandung von Leonardo, den Schweiß aus der verstaubten Visage und betrat, voller Restenergie und überschwänglicher Glückseligkeit, die steinerne Brücke zum Haupttor. Um nicht weiter aufzufallen, klemmte ich mir eilig das Bovelbanner an die Klamotte und setzte ein breites Grinsen auf. Niemand sollte bemerken, dass ich die „Jubi-Fahrt“ haarklein auf Papier festhalten würde. Also zog ich mir die Kleidung glatt und trat durch das Burgtor.
Im Innenhof begegneten mir die ersten Boveler. Freundlich wurde ich gegrüßt, gedrückt, ja sogar so richtig herzlich geknuddelt. Es war fast bis zur Rezeption kein Durchkommen. Und das waren ja noch lange nicht alle. Eine ganze Busladung von der Drückerkolonne sollte ja noch kommen! Ich bezog also hastig mein Zimmer, nicht ohne ein paar Extrafahrten mit dem Etagenverschieber zu machen. Nachdem ich den Kleiderschrank geöffnet hatte, um die frischen Schlübbertze, sauber und korrekt, abzulegen, musste ich leider feststellen, dass in meinem Schrank eine Küche verbaut war (KEIN SCHERZ!). Das war etwas, was die Dame an der Rezeption mir vorenthalten hatte … ganz sicher aber etwas, was ich IHR nicht vorenthalten würde, am Tag der Abreise! Also legte ich meine Schlübba in den Kühlschrank, da ich weder den Müllunterschrank, noch die Herdplatte für den richtigen Ort hielt. Nach dieser verstörenden Erfahrung, begab ich mich in das offizielle „Außenlager“, der Ort, wo das Bier nichts kostet, außer ein paar Ecken und Kanten der eigenen Leber. Noch bevor ich zum Gruße ausholen konnte, wurden mir schon wieder Nettigkeiten entgegen geworfen. Ich hatte gerade das Wort „unheimlich“ in mein kleines Büchlein gekrakelt, da drückte mir jemand eine Bank in die Hand: „Stell die mal da hin an den Tisch.“ „AHA!“, dachte ich sofort. „Es geht also auch anders …“ Vorsichtig entfernte ich mich aus der „Gefahrenzone“, denn eins hatte ich bereits auf den Arbeitsdiensten gelernt: Unter all den freundlichen Menschen treibt sich einer herum, den man hinter vorgehaltener Hand „den Einteiler“ nennt … und damit wird nicht auf seine Kleidung angespielt … Wenn er sieht, dass du zu lange die Luft einziehst, kommt er dich holen und drückt dir Arbeit auf’s Auge. Er ist gnadenlos und tückisch. Denn auch er grinst freundlich, wenn er sich nähert. Man lässt ihn rankommen und … ZACK … hast du was zu tun. Um also nicht in Soloarbeit Zeltburgen aufzustellen, frischen Rollrasen auf der Lagerwiese zu verlegen, die Burgzinnen neu zu verputzen oder den Bergfried spontan neu zu bedachen, eilte ich wieder zurück in die Burg und köpfte das erste Bier. Denn auch das war eine der guten Lehren, die ich mir leicht merken konnte: Immer schön mitmachen beim Trinken, dann fällt man nicht auf … außer natürlich bei der Arbeit, da fällt man auf, denn Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Nachdem ich mir also besonders viel Mühe gab, nicht weiter aufzufallen, wurde es irgendwann dunkler und gemütlicher und man beschloss, die Burg zu erobern! Dank ungeschulten Personals und offenstehendem Haupttor, war die Sache leichter, als gedacht. Gerade so im letzten Moment pusteten die Blechbläser das Banner mit aller Macht den Fahnenmast hinauf. Es war eine äußerst knappe Sache, denn: Das Abendessen stand an und man versammelte sich in der „Erwin Fromme Aula“, der von jemandem fälschlicherweise als „Erwin Rommel Aula“ betitelt wurde. Es wurde schnell festgestellt, dass wir weder hellen Sand auf dem Boden vorfanden, noch Braunies in der Küche bekamen. Also konzentrierte man sich auf das Buffet. Aber alle gleichzeitig, was mir die Möglichkeit eröffnete, am Ende der Schlange die Richtung zu bestimmen: Entweder stelle ich mich draußen vor der Tür an oder auf den Treppen nach unten. Letzten Endes wurde meine Ausdauer belohnt und ich konnte meinen Teller, mit Spätzle ordnungsgemäß überladen, zurück an den Tisch bringen. Selbstverständlich nicht ohne ihn mit beiden Händen abzustützen, damit das Porzellan nicht knickte. Gerüchten zufolge soll es im späteren Verlauf des Abends noch Fritten und Gulasch gegeben haben. Etwas, dass ich hier nur unter „Hörensagen“ festhalten möchte^^. Auf jeden Fall lieferten die Spätzle die Basis, um weiter „mitzumachen“, so dass es mir möglich war, im Lager weiter unauffällig, die Jubi-Fahrt zu verfolgen. Im Rahmen des „Dienstes nach Vorschrift“ wurde fröhlich gezecht … bis zu dem Zeitpunkt, wo mir der kritische Kardinalsfehler wiederfuhr. „Schnäppschen?“ „Na sicher doch!“, waren die Worte, die eine Alkohollawine auslösten, bei der selbst die hochdekorierten Ballermannwirte, angsterfüllt die Fässer vom Hahn gezogen hätten. Mein Körper wollte mich abhalten, doch mein Pflichtbewusstsein war stärker … und so kam es, wie es kommen musste: es war … ganz nett^^ … und wäre die Jubi-Fahrt nur einen Monat früher gewesen, hätten meine blutunterlaufenen Augen sogar noch den Sonnenaufgang erlebt … naja … irgendwas ist ja immer. Genau das teilte mir mein Körper am nächsten Morgen mit, am …


