Bericht eines Mitreisenden

Samstag, den 30.09.2024 – Der Hauptkampftag (mit dem eigenen Leib)

Ers­te Erkennt­nis: Höre auf, wenn es am Schöns­ten ist.

Kri­tik­punkt: Woher soll ich wis­sen, dass es am Schöns­ten ist, wenn ich aufhöre?

Zwei­te Erkennt­nis: Schräg­bal­ken im Zim­mer sieht man im Dun­keln nicht.

Drit­te Erkennt­nis: Ein­hun­dert­zwan­zig Minu­ten Schlaf sind nicht mehr als zwei Stun­den Schlaf, und das führt zu: Dis­har­mo­nie zwi­schen Kör­per und See­le. Das weiß jeder lat­ten­stram­me Bud­dhist. Da sind die Jungs uns vor­aus. Mir hat man Was­ser auf den Kopp gekippt und gesagt „Christ isser, der nächs­te bit­te.“ Mir wur­den also kei­ne gro­ßen Weis­hei­ten mit auf den Weg gegeben…

Also begann der Tag, wie es zu erwar­ten war. ‚Beschis­sen‘ wäre geprahlt, daher wür­de ich es, im feins­ten Super­la­tiv, als „Höchst exkre­men­tös“ bezeich­nen. Ich woll­te an die­sem Mor­gen wie­der auf mei­nen Kör­per hören, doch mein Kör­per sag­te nur „Hau ab!“ und ließ mich eis­kalt abblit­zen. Erst nach der Auf­nah­me von meh­re­ren Bröt­chen, ein paar Schau­feln Rühr­ei und einem Strauß Nürn­ber­ger Würst­chen, einig­te ich mich mit mir selbst auf einen Waf­fen­still­stand, denn es gab noch etwas auf der Agen­da, das mich und mei­nen Kör­per ohne eine Eini­gung ein­fach nur zer­trüm­mert hätte:

DIE GEWANDERUNG IM ZEICHEN DES RESTALKOHOLS!

Völ­lig außer Stan­de, einer sol­chen kör­per­li­chen Leis­tungs­schau bei­zu­woh­nen, steck­te ich mir also vier Nürn­ber­ger zwi­schen die Zäh­ne, um ein kon­stan­tes Lächeln zu erzeu­gen und reih­te mich unauf­fäl­lig ein. Zu mei­nem Glück fuhr mein Kör­per direkt in den Ruhe­mo­dus, als ich erkann­te, dass es kei­nen Bol­ler­wa­gen oder ähn­lich gefähr­li­che Bier­trans­por­ter gab, die den nächs­ten Alko­hol­an­griff ein­lei­ten könn­ten. Somit konn­te ich mit einem ent­spann­ten Ruhe­puls von 138 die Rei­se antre­ten. Nur knap­pe 25 Stun­den spä­ter erreich­ten wir auch schon das Ende der Stra­ße, an der sich die Burg War­berg befand, also die neue, wo auch die Lager auf­stellt waren. Kei­ne 2 Tage spä­ter stan­den wir auch schon an einem Wald­rand, an dem uns ein dezen­ter Weg­wei­ser lie­be­voll ein­lud, auf dem Pfad der Ver­damm­nis fort­zu­schrei­ten. Aber schon kei­ne Woche spä­ter sahen wir sie vor uns … die Burg­rui­ne War­berg. Gut, sei­en wir ehr­li­cher, als nötig: Sie schien ein wenig … geschleift wor­den zu sein. Oder, um es etwas prä­zi­ser zu for­mu­lie­ren: Man hat­te den Ein­druck, dass man nicht nur die Stei­ne, son­dern auch direkt noch Sand mit abge­tra­gen hat­te. Aber, und das hal­ten wir mal fest:

Punkt eins: Die his­to­ri­sche Ent­wick­lung die­ser Regi­on war mir bis dato nicht bekannt und das Lesen von jeg­li­chen Infor­ma­ti­ons­blät­tern hat noch kei­nen Men­schen düm­mer gemacht (mit Aus­nah­me von die­sem hier, womöglich).

Punkt zwei: Der Wald, sofern sich der Durch­schnitts­baum noch immer vor­wie­gend von Abga­sen ernährt, dürf­te nach die­sem Spa­zier­gang ein­zig­ar­tig in Euro­pa sein, da er durch die­se Wan­de­rung genug CO2 zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men hat, um den Win­ter zu wuchern, wie in Tschernobyl.

Punkt drei: Durch das kon­stan­te Ein- und Aus­at­men unter Bäu­men regu­lier­ten sich gro­ße Bünd­nis­part­ner im eige­nen Leib, so dass aus dem kör­per­li­chen Waf­fen­still­stand, ein wasch­ech­ter Frie­dens­ver­trag wur­de, wenn auch nur auf Zeit. Auf Deutsch: Es ging einem besser!

So war es am Ende kaum ver­wun­der­lich, dass der eine oder ande­re vol­ler Stolz wie­der in der Burg ankam und sich inner­lich auf die Schul­ter klopf­te, mit dem klar for­mu­lier­ten Gedan­ken: Ich habe es über­lebt! Ich bin eine Maschi­ne … jetzt viel­leicht nicht gera­de ein Voll­ern­ter oder ein Ber­ge­pan­zer, son­dern eher eine Mischung aus einem elek­tri­schen Ice­crus­her und einer Kaf­fee­müh­le, aber immer­hin eine Maschine.

Nach die­ser über­mensch­li­chen Anstren­gung war es an der Zeit, ande­ren bei ver­schie­de­nen Akti­vi­tä­ten zuzu­se­hen. Ich ent­schied mich vor­erst jeman­den beim Bier trin­ken zu beob­ach­ten. Dabei genoss ich den erfri­schen­den Klang mit­tel­al­ter­li­cher Musik und ver­folg­te stre­cken­wei­se das Bogen­schiess­tur­nier, bei dem sich, knap­per als erwar­tet, der Lokal­ma­ta­dor durch­setz­te. Eis­kalt berech­nend, wog er die Mas­sen zunächst in trü­ge­ri­sche Sicher­heit, indem er die ers­ten drei Pfei­le in den soli­den 0‑Bereich trieb. Aber dann leder­te er die Geg­ner ab, wie ein ambi­tio­nier­ter Auto­händ­ler, die Motor­hau­be sei­nes bes­ten Mase­r­a­tis im Schau­fens­ter. Irgend­wo, zwi­schen Tanz und die­ser Macht­de­mons­tra­ti­on wur­de ich von mir selbst über­zeugt, dass ein Bier „wie­der gehen“ wür­de. Mir selbst bewei­send, aus dem Vor­tag etwas gelernt zu haben, beschränk­te ich mich dar­auf, NUR Bier zu trin­ken, wohl­wis­send, dass dies nur ein vor­über­ge­hen­der Zustand sein wür­de. Aber es klapp­te ganz gut. Somit war ich in der Lage, durch­gän­gig Gesprä­che zu füh­ren, an deren Inhalt ich mich noch erin­nern konn­te. Im Gegen­satz zum Vor­abend, wo ich mich nur noch an die Orte erin­nern konn­te, wo die Gesprä­che statt­fan­den. Wie zum Bei­spiel eine knap­pe Stun­de auf dem Flur zur Rezep­ti­on vor dem Abort. Zum Glück war die net­te Dame der Rezep­ti­on zu die­sem Zeit­punkt schon seit ca. 6 Stun­den selbst abge­reist, sonst hät­te sie uns womög­lich zur Rai­son gerufen.

Spä­ter am Abend war es dann end­lich soweit: Das heiß ersehn­te Abend­essen wur­de auf­ge­fah­ren und wir konn­ten uns der „Flei­sches­lust“ hin­ge­ben … in so einem Ver­ein heißt das: Es wird gefres­sen, was einen Kno­chen hat! *JUUUUBEL* … es sei den man ist Vege­ta­ri­er … dann geht auch schon mal ein Tel­ler Oli­ven­rin­ge … An die­ser Stel­le sei erwähnt, dass man sich unglaub­lich schlecht auf­bet­ten kann, wenn man sich aus­schließ­lich mit Fleisch­ber­gen zu Abend auf­füllt. Nicht, dass das etwas Neu­es wäre, aber manch­mal muss man sich selbst eben gegen die Wand fah­ren, um zu gucken, was der Kör­per noch abkann^^. Mit­ten­drin, als Zwi­schen­gang ser­viert, gab es dann die Lob­prei­sun­gen und der unvor­be­rei­te­te Jubi-Fahrt-Teil­neh­mer bekam erklärt, war­um er eigent­lich an die­sem Wochen­en­de mal raus durf­te. 10 Jah­re Bovelzumft! *JUUUUUBEL!* Gegrün­det in einer Sekt­lau­ne, wenn man es so nen­nen darf, und plötz­lich ein­ge­schla­gen wie der Blitz in Schmidts Kat­ze auf einer Rake­te. So unge­fähr dürf­te man den Wer­de­gang wohl bezeich­nen. Mitt­ler­wei­le weit über 300 Bovis­ten (Bove­ler!) im nord­deut­schen Raum + Ein­zel­fäl­le auf der gan­zen Welt (mit Aus­nah­me von Grön- und Feu­er­land). Unter dem gelb­schwar­zen Ban­ner wur­de nun auch eine Burg tage­lang besetzt und, nach der Verran­zung, groß­mü­tig an die Vor­be­sit­zer wie­der abge­ge­ben, damit die­se ihre rest­li­che Lebens­zeit auf die Rei­ni­gung und Instant­set­zung von Zin­nen und Fahr­stuhl ver­schwen­den kön­nen. Aber all dies greift dem letz­ten Tag vor­aus … dem …

Sei­ten: 1 2 3